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 Galerie Wagner + Partner
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Landschaft und Erinnerung

Peter Dreher, Ruth Hommelsheim, Jyrki Parantainen

07.12.2018 – 26.01.2019

In der Landschaft sind Spuren eingeschrieben. Wir hinterlassen welche, verwischen sie, graben sie wieder aus, legen sie frei - immer in der Hoffnung, aus der Vergangenheit etwas für unsere Gegenwart, für unsere Zukunft zu lernen, zu extrapolieren.

Ohne Landschaft keine Erinnerung, ohne Erinnerung keine Räume, nach denen wir Landschaften bauen könnten. Wir greifen selbst aktiv in die Natur ein, konstruieren unsere eigenen Landschaften - ein Beispiel dafür ist wohl der „ungestaltete“ englische Landschaftsgarten im 18. Jahrhundert oder aber auch die ehemaligen Kohleabbaugebiete, die ihrerseits einer Renaturierung unterzogen und so wieder unberührte Natur werden sollen.

Ruth Hommelsheim (*1965) hat vor zehn Jahren den Abriss des Palasts der Republik fotografisch dokumentiert. Diese Bilder dienen für die Serie Palast (Res Publica) als Rohmaterial. Durch Übermalen des Hintergrundes werden die nun fragmenthaften Architekturen ihres Kontextes beraubt. Das Gebäude, welches doch ursprünglich aus der Landschaft gelöscht werden sollte, wird durch die Technik der Verfremdung wieder sichtbar gemacht. Auch dem Zyklus Nach der Natur, in dem Hommelsheim über mehrere Jahre hinweg Veränderungen in den ehemaligen Tagebaugebieten in der Lausitz nachgeht, wohnt diese Korrektur der Erinnerungen inne. Die Serie spürt Momenten der aktiven Produktion von Natur in Form von Renaturierungen nach, in die jedoch das Echo der aus dem industriellen Zeitalter entstammenden Ausbeutung der Natur eingeschrieben ist.

Peter Dreher (*1932) hat mit seiner Serie 7 Tage im Oktober zuallererst ein Innehalten dargestellt. Die Wiederholung des scheinbar immergleichen Landschaftsmotivs ist dabei Ausdruck für den uneinlösbaren Wunsch für Dauer im Wechsel, für Beständigkeit in der Abweichung. Dabei changieren die Eindrücke zu gemalten Erinnerungen in verschiedenen Farbtemperaturen und lassen uns so die Lebendigkeit des Moments gewahr werden.

Die Fotografien von Jyrki Parantainen (*1962) sind von einer erstaunlichen Zeitlosigkeit geprägt - auch hier geht es um menschliche Eingriffe in die Natur, um unausgesprochene Erwartungen, um Leerstellen, die wieder zu füllen schwierig sind. Das großformatige Secrets zeigt ein verlassenes Schwimmbecken im Freien. Lange schon wurde es nicht mehr benutzt, es ist bereits im Zustand des Zerfalls. Die Reminiszenzen erzählen von der Hoffnung der Besitzer, sind aber auch Zeuge eines technischen Machbarkeitsglaubens, der heute nicht mehr geteilt wird. Die Natur holt sich die Landschaft wieder zurück. Es bleibt nur noch eine Landschaft der Erinnerung, festgehalten durch die bearbeitete Fotografie.